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InnoTrans Blog

Intelligente Vernetzung der Hintergrundsysteme

März 2022

Intelligente Vernetzung der Hintergrundsysteme
Grenzüberschreitendes E-Ticketing soll durch easyConnect einfach und unkompliziert werden.

Der Aachener Verkehrsverbund (AVV) arbeitet an einem neuartigen ID-basierten Ticketsystem: Mit easyConnect kann der Fahrgast über seine regionale Smartphone-App unterschiedliche Mobilitätsangebote nutzen – und zwar über die Grenze hinweg bis in die Niederlande. Langfristig soll das neue Ticketsystem mit dem im Dezember für Nordrhein-Westfalen (NRW) gelaunchten Vertriebskanal eezy.nrw verschmelzen. Erste Teststrecke ist Aachen – Maastricht.

EasyConnect ist aus dem Projekt „European Travellers Club“ (ETC) hervorgegangen. Im Rahmen des Förderprogramms der Europäischen Union für Forschung und Innovation arbeitete die Aachener Verkehrsverbund GmbH im ETC bereits daran, wie Ticketing grenzüberschreitend funktionieren kann. „Durch die Förderung wollte die EU vermeiden, dass sich national isolierte E-Ticketing-Systeme entwickeln, die an der Grenze nicht anschlussfähig sind“, erklärt Dominik Elsmann, Leiter Euregionale Koordinierungsstelle beim Aachener Verkehrsverbund. Die Anrainerstaaten Belgien, Niederlande und Deutschland setzen für ihr E-Ticketing verschiedene Systeme ein, die nicht miteinander kompatibel sind. Belgien nutzt für seine MoBiB Card den Calypso-Standard, die Niederlande für ihre OV-chipkaart den MIFARE-Standard, das E-Ticket Deutschland schließlich basiert auf der VDV-Kernapplikation. Durch die unterschiedlichen Techniken können Fahrgäste mit der eigenen Chipkarte nicht im Nachbarland bezahlen. Innerhalb des ETC entwickelten die Aachener eine Cloud-basierte Identifikationsnummer für eine Chipkarte, auf die alle Zugriff haben. In der Pilotregion, im Dreieck zwischen Aachen und den niederländischen Städten Maastricht und Heerlen, kam das gut an. Die Befragung ergab aber auch, dass die Testpersonen für zusätzlichen Komfort anstatt der Chipkarte eine App auf dem Smartphone bevorzugen würden. Darüber hinaus würden sie eine Checkin/Check-out-Anwendung, die es in den Niederlanden bereits gibt, begrüßen.

Im Gemeinschaftsprojekt easyConnect übernahm die deutsche Seite die Entwicklung eines sicheren Barcodes für das Smartphone. Das niederländische Verkehrsunternehmen Arriva, die Auslandstochter der Deutschen Bahn, befasste sich parallel mit einem Mobility-as-a-Service-(MaaS-)Konzept, um unterschiedliche Mobilitätsangebote über eine App abfragen zu können.

„Zur Entwicklung von easyConnect vereinen wir das Beste aus beiden Welten. Mit der Smartphone basierten Ticketing-Variante wird es zukünig deutlich einfacher sein, auch über die Grenze hinweg ein multimodales Ticket von A nach B zu kaufen“, beschreibt Elsmann den Stand des Projekts mit dem Nachbarland, das im Oktober 2020 begann. Die erste Pilotphase ist für Juni 2022 geplant. In Nordrhein-Westfalen ist easyConnect nicht das einzige Projekt, das sich mit Standardisierung befasst. Das grenzüberschreitende E-Ticketing ist jedoch sein Alleinstellungsmerkmal.

Mit der regionalen App von Aachen nach Maastricht

In der ersten Testphase steht die Technik auf dem Prüfstand. Auf der Strecke Aachen – Maastricht prüfen die Experten, ob der kopiergeschützte Motics-Barcode richtig ausgegeben wird und auf beiden Seiten der Grenze einwandfrei kontrolliert werden kann.

In der zweiten Phase wird es darum gehen, grenzüberschreitend per Check-in/Check-out entfernungsbasiert tarifieren zu können. „Dafür müssen wir konsequent weiterdenken, was eezy.nrw heute bereits in NRW darstellen kann“, erläutert Elsmann.

Eezy.nrw ist ein Vertriebskanal, zu dem sich in Nordrhein-Westfalen das Verkehrsministerium, Verkehrsunternehmen, Zweckverbände, Verkehrsverbünde und -gemeinschaften verpflichtet haben. Der Launch erfolgte am 1. Dezember 2021. Die Idee hinter der Gemeinschaftsaktion: ein flächendeckender, luftlinienbasierter eTarif für Bus und Bahn in ganz Nordrhein-Westfalen, buchbar über die bestehende App des regionalen Verkehrsverbunds. „Statt einer App für ganz NRW oder für ganz Deutschland, wollen wir die Mobilität in den jeweiligen Teilräumen intelligent miteinander vernetzen“, erläutert Elsmann. Im Interesse der Umwelt soll der Zugang zur Multimodalität für potenzielle ÖPNV-Nutzer barrierefrei und so einfach wie möglich sein. Elsmann nennt ein Beispiel zur Veranschaulichung: „Mit einem Ticket gebucht über die AVV-App könnte die Reise per Bikesharing durch Aachen gehen, weiter mit dem eTarif durch Nordrhein-Westfalen nach Köln führen und dort mit dem ÖPNV in der Innenstadt an der gewünschten Station enden.“ Abgerechnet wird im Check-in/Checkout-Verfahren.

ID-basiertes Ticketing

Kernstück von easyConnect ist das ID-basierte beziehungsweise Accountbasierte Ticketing. Der Kunde eröffnet einen Account, über den er alle Services nutzen kann. „Mit unserem Systemkonzept tragen wir dafür Sorge, dass alles läuft“, erklärt Elsmann. „Für den Fahrgast ist es Mobilität aus einer Hand.“ Bei grenzüberschreitenden Fahrten wird dem jeweiligen Nachbarland lediglich die Kreditwürdigkeit der ID bestätigt. Das niederländische Backend berechnet und bepreist das niederländische Teilstück der Fahrt. Abgerechnet wird in den nationalen Systemen. Beim ID-Ticketing lassen sich auch weitere Mobilitätsanbieter einbinden. „Das ist einfacher als bei den bisherigen Standards, hinter denen eine aufwendige Sicherheitsarchitektur steckt. Für kleinere Anbieter, beispielsweise Bikesharer, ist diese zu komplex“, erklärt Elsmann.

Durch easyConnect soll E-Ticketing einfach und unkompliziert werden. „Am Ende ist es ein Puzzle-Stück der zentralen Vertriebsplattform im AVV, auf der alle Fäden zusammenlaufen, von ÖPNV Ticketing über Abo-Verwaltung bis zur Einbindung weiterer Mobilitätsservices, interoperabel über die Grenzen gebracht“, sagt Elsmann. „So wollen wir ganz maßgeblich dazu beitragen, den Menschen Lust auf den ÖPNV zu machen.“ (MF)