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Erste Untersuchungen für Eisenbahntunnel auf Neubaustrecke Dresden – Prag

Juni 2022

Erste Untersuchungen für Eisenbahntunnel
Entnahme von Bodenproben für die Planungen zur Neubaustrecke Dresden-Prag. Foto: DB AG/Natalie Klein

Quer durch das Erzgebirge soll zukünftig Deutschlands längster Eisenbahntunnel entstehen, um die Metropolen Dresden und Prag besser miteinander zu verbinden. Auf der Suche nach dem idealen Tunnelverlauf führt die Deutsche Bahn AG (DB) inzwischen die zweite Bohrkampagne durch.

Aus den Erdbohrungen im Erzgebirge ließen sich bereits erste Ergebnisse für mögliche Tunnelverläufe ableiten. DB-Projektleiter Kay Müller betonte, wie wichtig der Projektfortschritt für die ökologische Verkehrswende sei. Personen- und Güterzüge könnten zukünftig deutlich schneller und häufiger zwischen Dresden und Prag verkehren. In nur einer Stunde seien sie dann zwischen den Metropolen unterwegs. Zeitgleich könne man das vielbefahrene Elbtal entlasten.

Erste Probebohrungen ausgewertet

Bevor der eigentliche Tunnel geplant werden kann, müssen im Erzgebirge Bodenuntersuchungen vorgenommen werden. Vermessungen und Bohrungen führt die DB seit 2020 durch. Die ersten Bohrungen zur Untersuchung der Erdschichten reichten bis zu einer Tiefe von 400 Metern ins Erdreich. Insgesamt untersuchte sie rund 130 Bohrungen an neun Punkten: Im Mittelsächsischen Gebirge haben die entnommenen Boden- und Felsproben eine gute Gebirgsqualität. Es wurden nur sehr wenige Störfaktoren gefunden, der Tunnel könnte auf Basis dieser Erkenntnisse ohne größere Schwierigkeiten errichtet werden. Im Gottleubatal hingegen ist man auf mehrere Bruchstellen und Unebenheiten in der Gebirgsstruktur gestoßen, die bei der Planung des Trassenverlaufs berücksichtigt werden müssen. Auch die Struktur im Bereich Börnersdorf wurde exakt untersucht; ein Trassenverlauf lässt sich aus den derzeitigen Erkenntnissen aber noch nicht ableiten. In der zweiten Bohrkampagne, vom November 2021 bis Mai 2023, werden voraussichtlich 14 bis zu 500 Meter tiefe Bohrungen erfolgen.

Stand der Planungen

Das Ausbauprojekt Dresden–Prag befindet sich aktuell in der frühen Planungsphase. Für den künftigen Verlauf der zusätzlichen sowie angepassten Gleise in Heidenau hat die DB mehrere mögliche Varianten ausgearbeitet. Dabei werden die Möglichkeiten eines Teiltunnels mit teilweise oberirdischer Streckenführung sowie eines Volltunnels untersucht. Ziel ist es, eine sogenannte Vorzugsvariante zu identifizieren. „Sie muss verträglich für die gesamte Region sowie die Umwelt sein und dabei auch wirtschaftliche und genehmigungsrechtliche Aspekte berücksichtigen. Zudem muss die Lösung den Vorgaben und Kriterien des Bundes entsprechen“, so ein Bahnsprecher. „Die Entscheidung für die Vorzugsvariante wird erst am Ende der Vorplanung getroffen, voraussichtlich im Jahr 2024.“

Neubaustrecke Dresden–Prag

Die Eisenbahnverbindung zwischen Dresden und Prag liegt auf dem transeuropäischen Korridor Orient/Östliches Mittelmeer. Dieser verbindet die deutschen Nord- und Ostseehäfen mit den wirtschaftlichen Zentren in Südosteuropa und durchquert dabei neun Mitgliedsstaaten der Europäischen Union. Die Strecke ist für den Güterverkehr von strategischer Bedeutung. Der dafür nötige, grenzüberschreitende Tunnel durch das Erzgebirge wird mindestens 25 Kilometer lang sein, davon 15 Kilometer auf deutscher Seite, was ihn zum längsten Eisenbahntunnel Deutschlands macht.